Funken im Urlaub - Mit dem Bike durch Sizilien

Die ‚großen‘ UKW-Conteste auf 2m begleiten mich bereits mein ganzes Funkerleben - also seit fast 50 Jahren. Die Faszination ist bis heute kaum geringer geworden, die Ausrüstung und anderen Hobbies haben sich allerdings stark verändert. So ist seit einigen Jahren das Motorradfahren dazu gekommen. Wie kann ich die beiden Interessen verbinden? Klar – UKW Contest von unterwegs mit dem Bike!

Sizilien

Dieses Jahr stand Sizilien (IT9) auf dem Plan, verbunden mit einem Besuch bei meinem Funkfreund Joe, IT9BLB in Palermo. Joe war so freundlich mir einen nahezu perfekten UKW-Standort für den Contest im September 2022 zu finden.

An der Nordküste von Sizilien gelegen, problemlos über eine gut ausgebaute Straße zu erreichen, mit gutem Take-Off in alle interessanten Richtungen (Nord +- 90°). Der Standort liegt in fast 1000m Höhe und bietet – bei guter Sicht - einen fantastischen Ausblick über das tyrrhenische Meer und den Archipel der liparischen Inseln (Alicudi, Filicudi, Salina usw.)

Auf dem Motorrad habe ich natürlich keine großen Transportkapazitäten, das macht die Planung für die portable Funkausrüstung besonders herausfordernd. Mein Idealziel ist, dass alles in das „Top Case" passt. Das bedeutet eine maximale Länge von ca. 35cm! Naja, so ganz hat es nicht gepasst, so kam dieses Jahr wieder die Antenne, ein 10m GFK-Mast und ein bequemer Camping-Stuhl auf die Rückbank. Aber alles andere „Funkzeug" war tatsächlich im Top-Case untergebracht.

Die Antenne war - wie letztes Jahr in Südfrankreich – die SOTA Antenne von WiMo, also 5 Elemente LogPer, Dual Band 2m/70cm. Die hat ein geringfügig besseres Gewinn-, Gewichts- und Platz-Verhältnis als eine Dualband HB9CV oder ähnliche Bauformen. Als Mast kommt der kleine „Shock-Cord-Mast" von Buddipole mit (270cm hoch), dazu 4 der kurzen Buddipole-Dipolarme mit 28 cm Länge. Alle diese Teile haben 3/8" Gewinde und sind robust genug, um eine kleine Antenne zu tragen. Ganz oben sitzt eine selbstgebaute Stange an der die Antenne befestigt ist. Insgesamt ist der ganze Mast also ca. knapp 4m hoch. Eine sehr leichte Abspannung ist auch dabei. Das H-155 Koaxkabel (2 x BNC) ist 5m lang, das bedingt, dass der Transceiver dicht bei der Antenne bleiben muss. Als Funkgerät kam auch dieses Jahr wieder ein Icom IC-705 mit. Dabei hatte ich drei Akkus (2x BP-2xx, 1x BP-307). Das ist genug Energie für mehrere Stunden, bei 5 Watt Sendeleistung. Außerdem war noch ein leichter Kopfhörer und eine kleine Morsetaste sowie das Mikrofon im Gepäck. Als Logger habe ich dieses Jahr das erste Mal Cloudlog auf dem Android-Telefon verwendet.

Als Erstes beobachte ich an einem neuen Standort zunächst die Baken. Erwartungsgemäß ging das über das Meer ganz ausgezeichnet, ich hörte sofort Signale aus der Gegend von Rom. Das sind rund 400 km. Auch auf 70cm waren viele Signale zu hören, etwa gleiche Entfernungen. Während des UKW-Contests auf 2m habe ich sowohl SSB als auch CW verwendet. Natürlich ging CW besser, das ODX war eine S5 Station mit ca. 860 km Distanz. Nicht schlecht für 5 Watt! Natürlich halfen die große Antenne und die guten Ohren der Gegenseite und der ausgezeichnete Standort, aber dennoch… Ins Log kamen weiterhin IS0 (Sardinien), TK (Korsika), Frankreich und natürlich ganz Süd- und Mittelitalien. Gehört, aber nicht erreicht habe ich EA, EA6 (Balearen) und verschiedene griechische Stationen (SV6, SV8). Der Empfänger des kleinen Transceivers ist also auch auf 2m sehr brauchbar, obwohl an diesem Standort eine UKW-Rundfunkstation nur 30m entfernt steht. Es waren also keine Zustopfeffekte zu beobachten.

Die restliche Woche habe ich natürlich noch von der Unterkunft aus Betrieb gemacht, sowohl auf UKW als auch auf Kurzwelle. Als Antenne auf KW kam ein ca. 21 m langes Stück Draht als Inverted-V am 10m Spiderbeam-Mast zum Einsatz, angepasst mit einem mAT-705 Tuner. Am Dienstagabend habe ich am VHF Aktivitätsabend teilgenommen, auch wenn der Standort nicht ganz so genial war wie der zum Contest. Auffallend war die große Zahl der Teilnehmer an diesem Abend. Wieder war nahezu das gesamte westliche Mittelmeerbecken mit guten Signalen zu hören und zu arbeiten. Hier kann man also keineswegs darüber jammern, dass auf 2m nichts los sei, die Aktivität ist gut. Alles in allem war der Amateurfunk auch in diesem Urlaub wieder ein großer Spaß, der meine Zeit bereichert hat, auch wenn die Insel eigentlich schon genug zu bieten hat. Der kleine IC-705 Transceiver ist nahezu ideal, wenn man mit QRP Leistung zurechtkommt. Mit nur wenig Zubehör ist der Betrieb auf allen Bändern leicht und stressfrei möglich und führt auch unterwegs immer wieder zu tollen Erlebnissen. .

Jetzt Beitrag teilen!